Die Aufgabe der Loge – Übungsstätte wofür?

Freimaurerei ist das Üben einer Lebenskunst! Es geht in der Loge um Denkprozesse, um symbolisches Erleben und um interaktionelles Geschehen. Dieser Dreiklang ermöglicht es dem Bruder Freimaurer sich den genannten Zielen der Freimaurerei anzunähern.

Was vermittelt die Loge?

Die Loge – ein normaler Verein oder was zeichnet sie aus? Die Loge ist der Ort freimaurerischen Wirkens, Zentrum geistiger Arbeit, Stätte des symbolischen Erlebens und Ort geselliger Gemeinschaft. Für den Erfolg ihrer Arbeit ist offenes, ehrliches und hilfsbereites Miteinander Voraussetzung.

Die Loge vermittelt kein Wissen, das auswendig gelernt werden soll. Es wird vielmehr ein Dreiklang vermittelt, um das Ziel der Freimaurerei „aus guten Menschen bessere zu machen“, zu erreichen.

Wie arbeitet eine normale Freimaurerloge und wie sieht dieser Weg der eigenen Persönlichkeits-entwicklung aus?

Wie arbeitet die Loge?

Im Logenhaus treffen sich die Brüder einmal in der Woche an einem bestimmten Tag, z. B. am Mittwoch um 19.30 Uhr, für etwa 2 bis 3 Stunden Dauer. Der Arbeitskalender zeigt die folgende monatliche Struktur:

Woche 1: Lehrlings- und Gesellenunterricht.

Die freimaurerische Ausbildung = Instruktion erfolgt über 20 Abende (= 2 Jahre) und erfüllt den Zweck jedem „jungen Bruder“ (Lehrling und Gesellen) die erforderlichen Kenntnisse über freimaurerisches Gedankengut und Lebenshaltung nahe zu bringen.

Woche 2: Brüderlicher Abend mit Gästen.

Der Gästeabend ermöglicht ein gegenseitiges Kennenlernen von potenziellen neuen Logenmitgliedern und Teilen der Bru­derschaft. Im Anschluss an einen kleinen Vortrag findet eine angeregte und mehr oder weniger kontroverse Diskussion in freimaurerischer Gesprächskultur statt.

Woche 3 und 4: Brüderliche Abende.

Diese Treffen dienen dem geselligen brüderlichen Austausch und Gespräch, der Diskussion. Hier finden auch Vorträge von Brüdern statt.

Mindestens 1x im Monat, normalerweise am ersten Freitag um 20.00 Uhr, findet eine Rituelle Logenarbeit im Lehrlings-, Gesellen- oder Meistergrad statt. Sie dient auch dazu neue Mitglieder aufzunehmen, Brüder zu befördern oder zu erheben. Es folgen zusätzlich besondere rituelle Festarbeiten, wie das Stiftungsfest im April oder das Johannisfest im Juni, rituelle Tafellogen (mit gemeinsamem Essen) schließen sich in der Regel an diese Logenarbeiten an. Im November wird bei der Trauerloge verstorbe­ner Brüder gedacht. Des Weiteren ist das sogenannte Schwesternfest zu erwähnen, in dem die Loge (Ehe)Frauen ehrt. Jeder Bruder Freimaurer ist gehalten, diese Termine möglichst wahrzunehmen.

Mein Weg zur eigenen Lebenskunst?

Diese benannten Aktivitäten einer normalen „humanitären“ Loge, lassen drei wichtige Methoden zur eigenen Persönlichkeitsentwicklung erkennen:

  • Es geht um Denkprozesse, um eine rationale Di­mension.
  • Es geht um symbolisches Erleben, um eine spirituelle Dimension und
  • Es geht um interaktionelles Geschehen, um eine soziale Dimension.

Dieser Dreiklang der Dimensionen ermöglicht dem Bruder Freimaurer, sich den genannten Zielen der Freimaurerei anzunähern.

  • Die rationale Dimension findet naturgemäß ihren Schwerpunkt in den Vorträgen und Instruktionslogen.
  • Die spirituelle Dimension findet ihren Schwerpunkt in den rituellen Logenarbeiten.
  • Die soziale Dimension findet ihren Schwerpunkt im brüderlichen Miteinander und in den Tafellogen.

Allerdings sind diese Dimensionen auch alle drei gleichzeitig wirksam, auch wenn mit unterschied-licher Gewichtung. Im Folgenden wird der Dreiklang der Methoden in der Loge näher beleuchtet:

1. Die rationale Dimension in der Loge

Mit der Aufnahme in die Loge wird der ursprüngliche Habitus des neuen Bruders, (seine Umgangsformen, die Gesamtheit seiner Vorlieben und Gewohnheiten oder die Art seines Sozialverhaltens) im Laufe der Jahre in einen freimaurerischen Habitus weiterentwickelt.

Nach freimaureri­schem Selbstverständnis ist jeder Bruder ein Leben lang ein „Suchender“, und die „Arbeit am rauen Stein“ hört nie auf. Die Ziele der Suche sind auf die verschiedenen Aspekte des Lebens ausgerichtet und orientieren sich an den Inhalten der drei Grade:

  • Auf das Individuum und auf Selbstvervollkommnung im Lehrlingsgrad.
  • Auf das harmonische Sich-Einfügen des Einzelnen in die Gesellschaft im Gesellengrad.
  • Auf Weisheit und Erkenntnis im Meister­grad.

Die Loge will so die Persönlichkeitsentwicklung fördern, indem sie durch die Aufnahme – die „Initiation“ – den jungen Bruder Freimaurer in seiner gesamten Seins Weise neu definiert.

Die Wirkung der Loge in ihrer rationalen Dimension beruht auf der Förderung des bewussten Nachdenkens und der Reflexion des Bruder Freimaurers über sich selber, sein Wesen, seine Stellung im Universum, zu anderen Menschen wie zum Transzendenten.

Das eigentliche Wirkprinzip der rationalen Dimension liegt in der bewussten Erkenntnis und im hellwachen Nach­denken mit Hilfe der Ratio.

Ziele der Persönlichkeits-Entwicklung werden in der rationalen Dimension deutlich gemacht, etwa durch Aufforderungen an den einzelnen Bruder in Vorträgen bei brüderlichen Abenden, z.B. über Toleranz, Liebe, Brüderlichkeit und Selbstbeherrschung, die bewusst und reflektiert angestrebt werden können.

Im freimaurerischen Ritual im 1. Grad erscheint als wichtigste Aufforderung des Meisters vom Stuhl: „Erkenne dich selbst!“ Sie ist in zweierlei Hinsicht wichtig: Zum einen, was die Methode der Persönlichkeitsentwicklung betrifft, nämlich das Erkennen („Erkenne …!“), zum anderen, was das Objekt betrifft, nämlich das eigene Ich („ … dich selbst!“).

Die rationale Dimension hat den Vorteil, dass sie auf ein dem Verstand und dem Nachdenken zugängliches bewusstes Wissen zurückgreifen kann. Dieses Wissen kann auch in Gesprächen so verbalisiert werden, dass es in der Diskussion anderen Menschen be­grifflich vermittelbar und damit zugänglich wird.

2. Die spirituelle Dimension in der Loge

Die spirituelle Dimension ermöglicht nun die Verwendung von jenseits der Ratio lie­genden oder wirkenden Prozessen oder Inhalten. Dies geschieht meist durch den Einsatz von Symbolen, mythologischen Motiven und Ritualen anstelle von Worten. Der wesentliche Wert eines mythologischen Motivs oder Symbols liegt gerade darin, dass es nicht auf eine Definition beschränkt ist, sondern in seiner Ambivalenz für jeden Menschen und jeden Bruder Freimaurer eine andere Bedeutung besitzt.

Die spirituelle Dimension stellt in der humanitären Freimaurerei die wichtigste Dimension dar, da sie der Freimaurerei eigen und in dieser Form in anderen Vereinen nicht zu finden ist.

Die Vielzahl der in der spirituellen Dimension verwendeten Symbole und Motive hat den Zweck, den Weg zu charakterisieren oder zu erleichtern, den ein Suchender gehen kann, und nicht, Ziele für diesen Weg vorzugeben.

Im 1. Grad stellt der „Raue Stein“ das wohl wichtigste freimaurerische Motiv dar. Am rauen Steinder den Freimaurer selber repräsentiert, soll er arbeitenum sich zu einem „Behauenen Stein“ zu formen, das heißt, sich weiterzuentwickeln. Das Motiv des rauen Steines ist das Grundmotiv der Persönlichkeitsentwicklung des Freimaurers in der spirituellen Dimension. Die in der Symbolik vorhandene Zielvorgabe des behauenen Steines ist in der Realität nicht eindeutig bestimmt, und es ist jedem Bruder überlassen, wie sein Ziel aussieht und welches sein persönlicher Sinn des Lebens sein soll.

Grund­idee der spirituellen Dimension ist, dass der am Ritual Teilnehmende durch Versenkung in das rituelle Geschehen in eine intensive Wechselwirkung der Symbolik mit seiner Psyche ver­setzt wird im Sinne eines ganz persönlichen, individuellen Erlebnisses – dem Geheimnis der Freimaurerei.

3. Die soziale Dimension in der Loge

Die soziale Dimension in der Loge entwickelte sich direkt aus ihren gesellschaftli­chen Vorformen, insbesondere den mittelalterlichen Bauhütten und datiert lediglich einige hundert Jahre zurück.

Das gesellschaftliche Leben in einer Loge ist zunächst nichts spezi­fisch freimaurerisches, sondern vielmehr jedem Verein und jeder menschlichen Gruppe eigen. Dazu gehört das Erlebnis der Freundschaft ebenso wie das Herstellen von Konsens und die Existenz von Normen, wie etwa der freimaurerischen Konstitutionen und der so­genannten „Alten Pflichten“. Diese entstanden in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in England und bilden eine Art Verfassung und Gründungs-dokument für die heutige Organi­sationsform der Freimaurerei, indem sie allgemeine Grundregeln für alle Logen festlegen.

Wie unterscheidet sich die Loge von anderen Vereinen?

  • Der entscheidende Baustein der Loge in seiner Geselligkeitsform – und das unterscheidet sie von anderen Vereinigungen – ist das Geheimnis.

Die Hauptwirkung des Ge­heimnisses ist, dass es „egalitär nach innen und elitär nach außen“ wirkt und eine Legitimationsquelle für die freimaurerischen Ansichten, Handlungsnormen und Rituale darstellt.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist: die Arkandisziplin mit der Pflicht zur Verschwiegenheit.

Arkandisziplin, bezeichnet das letztlich unabdingbare Bestreben, das Arcanum (Geheimnis) und damit das in einen Mysterien-Zusammenhang Gehörige, die spirituelle Dimension der Loge vor einer leichtfertigen Veräußerlichung zu schützen, indem es Uneingeweihten nicht preisgeben wird.

Es ist davon auszugehen, dass die Logen heute weniger stabil wären, und dass ihre Mitglieder weit weniger überzeugt dem Bund angehörten, gäbe es nicht das „Geheimnis“ mit seiner spirituellen Dimension und der Pflicht zur Verschwiegenheit.

Fazit

Durch diesen Dreiklang der Dimensionen wird die Freimaurerei in der örtlichen Loge zu einer einzigartigen Königlichen Lebenskunst, zu einer eigenständigen Art und Weise für mich zu sein, zu existieren, zu suchen, zu erkennen und zu handeln. Könnte dieser Weg der eigenen Persönlichkeits-Entwicklung etwas für Sie sein?