Freimaurerloge Zum hellleuchtenden Stern

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Logengeschichte in Celle

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Um 1745 herum bestand in Celle anscheinend für kurze Zeit eine Loge Aurora als 9. Tochterloge der Provinzialloge von Hamburg und Niedersachsen. Über ihre nur kurze Existenz und Tätigkeit konnte bisher nichts sicheres in Erfahrung gebracht werden.

Am 21.6.1748 wurde als Tochterloge der obigen Provinzialloge in Celle von 6 Freimaurern die erste durch Dokumente bezeugte Loge gegründet.
Sie trug den Namen Augusta und hatte sich außerhalb des Hehlentores im ehemaligen Haus des Generals Melville etabliert. Die Mitglieder der Loge waren Rechtsanwälte, Richter am Oberappelallationsgericht, Ärzte, Offiziere,
Schloß beamte, Kaufleute, ein Bierbrauer, Künstler, drei Grafen und mehrere Angehörige des niederen Adels. Bis zum Johannisfest 1753 wurden 33 Suchende aufgenommen. Man ging mit Eifer an die Arbeit.
Da die Fluktuation jedoch groß war, viele ihrer Mitglieder außerhalb Celles wohnten und man sich im Wohltätigkeitssinn anscheinend übernommen hatte, mußte die Loge schon im Januar 1755 ihre Pforten wieder schließen.

Bis über das Ende des Jahrhunderts ist in Celle keine ansässige Loge nachweisbar, doch sind hier einige freimaurerische Aktivitäten aus dieser Zeit bekannt. Zu denen gehörte 1766 die Aufnahme des Prinzen Carl von Mecklenburg-Strelitz, britischer Generalleutnant und Gouverneur von Hannover in die Loge Friedrich im Orient Hannover. 1786 wurde er Provinzial-Großmeister des Kurfürstentums Hannover.

Am 6.4.1811 wurde unsere Loge: Zum hellleuchtenden Stern in Celle gegründet.Zu den 17 Gründungsmitgliedern gehörten bedeutende Persönlichkeiten der Stadt.
Das Konstitutionspatent wurde von der Großen Mutterloge des Königreichs Westphalen im Orient Cassel ausgestellt, die ihren Mitgliedslogen Ritualfreiheit gewährte.
Der erste Meister vom Stuhl war Carl Friedrich Freiherr von Stralenheim, verantwortlicher Unterpräfekt im Allerdepartement des Königreichs. Die Logenausrüstung und Rituale stammten von der 1796-1801 bestehenden Feldloge Johannes zum Degen, in der sich hannoversche Offiziere zur Überwachung der zwischen Frankreich und Preußen vereinbarten Demarkationslinie in Hoya zusammengefunden hatten.

Nach dem Ende des Königreichs Westfalen begab sich die Loge 1814 unter den Schutz der Großen Provinzial-Loge Friedrich zu Hannover, die 1828 als Großloge des Königreichs Hannover selbständig wurde und für ihre humanitäre und liberale Haltung bekannt war.
Erster Stuhlmeister in der neuen Konstellation war ein hoch angesehener Bürger Celles, der verdiente General Georg Ernst von Drieberg.

1821 gründete die Loge eine Sonntagsschule für Handwerker, um "jungen strebsamen Handwerkern auf Kosten der Loge unentgeltlichen Unterricht in solchen Zweigen der Wissenschaft zu erteilen, welche ihr Fortkommen erleichtern".
Die Schule stellte ihren Betrieb 1826 wieder ein, da die Logenarbeiten zwischen 1826 und 1837 aus Mangel an geeigneten Führungspersönlichkeiten ruhten.
Die Schule wurde 1841 in veränderter Form als Verein Feierabend neu gegründet und bestand bis 1858. Die Loge richtete ein Lokal ein, versorgte es mit Material und erteilte jungen Handwerksgesellen freien Unterricht. Es war in bescheidenem Umfang eine Art Vorläufer der heutigen Berufsschulen auf privater Grundlage.

In den Jahren zwischen 1830 und 1848, die in ganz Deutschland durch revolutionäre Erschütterungen gekennzeichnet waren, gehörten unserer Loge in staatsbürgerlicher Hinsicht bedeutende und zum Teil im ganzen Königreich bekannte, teils monarchistisch, teils republikanisch gesonnene Persönlichkeiten an.
Sie traten in öffentlicher Tätigkeit für eine Verfassung, volles Staatsbürgerrecht ohne Unterschied des Glaubens, Gleichheit aller vor dem Gesetz, Beschränkung der Polizeigewalt, freies Vereinsrecht und für eine Nationalversammlung in Frankfurt als höchste verfassungsgebende Gewalt ein.

Etwa gleichzeitig mit der Auflösung des Vereins Feierabend gründete die Loge 1858 eine Witwen- und Waisenstiftung.
Sie war gedacht zur Unterstützung von Hinterbliebenen gestorbener Brüder und konnte bis 1935 segensvoll wirken, wenn auch der größte Teil ihres Kapitals der dem ersten Weltkrieg folgenden Inflation zum Opfer fiel.

Nach dem deutschen Krieg von 1866 mußte sich unsere Loge durch die Auflösung des Königreichs Hannover einer der drei preußischen Großlogen anschließen.
Sie wählte die liberalste unter ihnen, die Große Freimaurerloge von Preußen, genannt Royal York zur Freundschaft, die einen aufgeklärt humanistischen Geist vertrat und 1872 für die drei Johannisgrade das christliche Prinzip aufgehoben hatte.

Die Jahre nach 1870 waren durch ein gemächliches, mehr nach innen gekehrtes Logenleben gekennzeichnet. Das Schwergewicht lag auf freundschaftlich menschlichen Beziehungen und in der Hingabe an karitative Aufgaben.
Die mannigfachen Diskussionen über eine Reorganisation des verschachtelten deutschen freimaurerischen Bauwerks reiften nicht bis zu einer handlungsfähigen Entscheidung.
Nach dem ersten Weltkrieg lösten sich die Bande des Anstands und Rechts zusehends auf, und die reaktionären und extremen Ideen des Nationalsozialismus zwangen den Hellleuchtenden Stern am 13.2.1934 die Lichter, der am 25.4.1933 in eine Ordensgruppe umgewandelten Loge, zu löschen.

Angesichts der ausweglosen Situation wurden der Stadt Celle Logenhaus und Grundstück am 1.4.1934 als Stiftung übergeben mit der Auflage ihrer Nutzung für Zwecke der deutschen Kunst und Kultur.

Kurz nach Kriegsende beriet am 24.6.1945 der letzte Meister vom Stuhl Br. Carl Ludwig Herold mit 12 Brüdern in der Wohnung des Br. Püllmann über die Reaktivierung der Loge.
In der Folge trafen sich diese und weitere Brüder des Hellleuchtenden Sterns monatlich zu "Arbeiten" ohne Ritual und maurerische Kleidung zunächst trotz Verbots der Militärregierung im Klubzimmer der Gaststätte Janßen in der Schuhstraße 48.

Am 25.6.1946 wurde die Freimaurerloge Zum hellleuchtenden Stern in das Vereinsregister beim Amtsgericht Celle eingetragen. Die Eintragung konnte wieder gelöscht werden, nachdem der Loge am 10.9.1949 die ihr am 30.4.1869 verliehene Rechtsfähigkeit von der Bezirksregierung Lüneburg zurückgegeben worden war.

Als erste Ritualarbeit nach 16 Jahren fand am 23.6.1949 im Logenhaus das Johannisfest mit der Aufnahme von 7 neuen Brüdern statt. Meister vom Stuhl war Br. Dr. Georg Hostmann.

Die endgültige Wiederherstellung der alten Eigentumsverhältnisse der Loge erfolgte am 5.4.1951.

Der starke Mitgliederzuwachs machte am 1.4.1955 die Gründung der beiden Logen:

  • Aurora zum hellleuchtenden Stern Nr. 817 und
  • Augusta zum hellleuchtenden Stern Nr. 818

in der Form des von der Großloge AFuAM genehmigten Celler Modells notwendig.
Die Mitglieder der beiden Logen sind zugleich Mitglieder der die Rechtsfähigkeit besitzenden Loge Zum hellleuchtenden Stern Nr. 242, die die Eigentümerin des Logengrundstücks ist, die gemeinsame Haushalt- und Rechnungsführung betreibt, die großen freimaurerischen Veranstaltungen der drei Logen gemeinsam durchführt und die Celler Freimaurerei nach außen vertritt.
Eine der beherrschenden Gestalten der in Celle wieder auferstehenden Freimaurerei war der Stuhlmeister (Loge Stern 1950-59), Distriktmeister und Senator der Vereinigten Großlogen von Deutschland Oberstadtdirektor a.D. Br. Walther Hörstmann.
Seiner mitreißenden organisatorischen und humanitären Tatkraft haben die Celler Logen einen großen Teil ihres bemerkenswerten Aufschwungs nach dem Krieg zu verdanken, der ihnen weit über die Stadtgrenzen hinaus Ansehen einbrachte.

Die Loge Augusta führte 1977 das von der Großloge 1969 herausgegebene AFuAM-Ritual ein. Die Sternloge und die Aurora arbeiten nach dem 1838 in Celle eingeführten Schröder-Ritual.

Der spätere Stuhlmeister der Loge Aurora, Großredner und zugeordneter Großmeister der Großloge Br. Dr.med. Hermann Prinke gründete 1977 die der Öffentlichkeit zugängliche Akademie Forum Masonicum.
In ihr wurden von hervorragenden Wissenschaftlern in Celle und in anderen deutschen Städten kulturgeschichtliche Vortragsreihen veranstaltet, die in Zusammenhang mit den geistigen Bestrebungen der Freimaurerei stehen.

Anläßlich des unter großer Anteilnahme der Stadt Celle 1986 begangenen 175. Stiftungsfestes wurde die vom Alt- und Ehrenstuhlmeisters Br. Dr.phil. Günter Pflanzl geschaffene Ausstellung "Die Bruderschaft der Freimaurer" im Clemens Cassel-Haus der Öffentlichkeit vorgestellt.
Sie ist inzwischen in über 70 Städten der Bundesrepublik an oft hervorragender Stelle gezeigt worden.

Am 30.9.1992 erfolgte die Lichteinbringung in die alte Johannis-Freimaurerloge Zu den fünf Türmen am Salzquell im Orient Halle, um deren Wiederbelebung sich die Brüder Kriegel und Pflanzl unter eifriger Mithilfe vieler Celler Brüder bemüht hatten.
Diese am 10.5.1885 gegründete mitgliederstarke Loge mußte ihre Lichter am 10.3.1934 löschen.
Ihr erster Stuhlmeister nach der Neugründung wurde Br. Günter Pflanzl, dem 1994 der Hallenser Br. Prof. Dr. Gerhard Reuscher folgte.

Im Maurerjahr 2009/2010 hat die Celler Bruderschaft beschlossen, die beiden Arbeitslogen

  • Augusta zum hellleuchtenden Stern Nr. 818 und
  • Aurora zum hellleuchtenden Stern Nr. 817,

ab dem Maurerjahr 2010/2011 für ruhend zu erklären und nur noch im hellleutenden Stern zu arbeiten.

Wenn wir auch die Zukunft gewinnen wollen, tun wir gut daran, uns vor Mittelmäßigkeit in Acht zu nehmen und die hohen Ansprüche lebendig zu halten, die die besten Köpfe der Freimaurerei ausgezeichnet hat.
Mögen unsere Logen dahi
n wirken, daß der freie Mann jenseits von Theorie und Dogma gelassen in der Zeit steht, mit hochherzigem Sinn, Mannhaftigkeit, richtiger Selbsteinschätzung, Milde, Fröhlichkeit, Freundschaft, Maß und Gerechtigkeit.

Das Logenabzeichen,
genannt Bijou

 


Blick in den Versammlungsraum, genannt Tempel

 


Friedrich Brandmüller
MvSt. 1889-1904

 


Carl Ludwig Herold,
letzter MvSt. 1925-1933.

 


Dr. Georg Hostmann,
erster MvSt. 1947-1950 nach dem Krieg

 

Walther Hörstmann, Oberstadtdirektor,
MvSt. 1950-1959


 


Paul Raffel, MvSt. 1969-1973

 

 


Das Bijou der Hallenser Loge.
Es zeigt im Zentrum die 5 Türme.


Literatur zur Freimaurerei in Celle:

Ludwig Seeger:

  • Geschichte der Freimaurerei in Celle. Celle o.J. (1911)

Herbert Reiss:

  •  150 Jahre Freimaurerei in Celle. 1811-1961.
    Die Stuhlmeister 1811-1962 (mit Abbildungen). Mitgliederverzeichnis 1811-1961.
  • Geschichte der Freimaurerei in Celle.
    Zusammengestellt von Br. Ludwig Seeger, 1910/11. Aus Anlaß des hundertfünfzigjährigen Bestehens der Loge "Zum hellleuchtenden Stern" i.Or. Celle am 8. April 1961 durchgesehen, erneuert und ergänzt nach alten Quellen und nach Aufzeichnungen und Erinnerungen älterer Brüder von Br. Herbert Reiss.

Handschrift für Brr. Freimaurer. 1961/1991.

Winfried Wolf:

  • 250 Jahre Freimaurerei in Celle. 1748-1998. Annalen. Copyright 1998: Winfried Wolf.
    Die übersichtlichste und mit Abstand datenreichste Zusammenstellung der Freimaurerei in Celle.