Erkenne Dich selbst
| Die Freimaurerei will einen neuen, besseren Menschen schaffen, doch im Gegensatz zu vielen Religionen wirkt nicht der Einzelne auf den Anderen ein, sondern hier verpflichtet sich das Individuum, der freie Mann, zur Arbeit am eigenen Selbst.
Deswegen gestatten Freimaurer in ihren Logen auch keine politischen oder religiösen Diskussionen. Im Mittelpunkt steht hier einzig nur der Mensch, dessen Aus- und Weiterbildung zu höheren Zielen. Es versteht sich daraus dann fast von selbst, dass dieses Bemühen nie endet, ein Leben lang andauert und die Mitgliedschaft mit einer lebenslangen Ausrichtung in diesem Männerbund so charakteristisch prägt. Dadurch werden Freundschaften ermöglicht, die über einen momentanen (wirtschaftlichen) Nutzen erhaben sind. Die Freimaurerei ist keine Rückversicherung im Sinne vieler moderner Service-Clubs. Sie nimmt aber trotzdem, wenn auch ohne viel Aufhebens, eine soziale und karitative Verpflichtung sehr ernst und steht damit ganz auf den Fundamenten der bestehenden Gesellschaftsordnung. Diese Verpflichtung der Gesellschaft gegenüber pflegt die Freimaurerei nicht als eine geheime, sondern als eine diskrete Gesellschaft. Die bewusste Verschwiegenheit prägt das gesamte Erscheinungsbild der Freimaurerei. Gerade das Schweigen ist in einer heute so lauten und medien-beherrschten Welt eine hohe Kunst, die nur durch regelmäßiges Einüben gelernt werden kann und dadurch den Einzelnen sicherer macht. Diese Erziehungsarbeit im Sinne einer Einübungsethik bedeutet das freimaurerische "Bauen am Tempel der Humanität". Dabei wird nun nicht der Versuch unternommen, die Gesellschaft zu ändern, sondern Ziel der Änderung oder Veredelung ist das einzelne Mitglied. Generell ist das freimaurerische Weltbild nicht materialistisch; es ist hingegen spiritualistisch geprägt, indem das Bewusstsein alles Sein bestimmt. Freimaurerische Erziehung basiert deswegen auf der Annahme, dass das Vernünftige auch das Gute ist. Ziel der jahrhundertealten Freimaurerei, auch in einem neuen Jahrtausend, ist der mündige Mensch, der herausgeführt ist aus seiner beengten Weltsicht, der die materielle Gefangenheit überwunden hat. Hieraus erklärt sich dann auch der Anspruch der Freimaurerei, eine Weltorganisation zu sein. Rassenschranken existieren für den Freimaurer nicht. Sie würden die Idee der Humanität geradezu ad absurdum führen. Trotz dieses globalen Anspruchs und Denkens bleibt für den Freimaurer oberste Aufgabe die Selbsterkenntnis, diese jedoch nicht als Selbstzweck oder Selbstbespiegelung, sondern mit dem Ziel, durch diese Analyse das eigene zukünftige Verhalten zu ändern. Die rituellen Arbeiten helfen dem Freimaurer dann bei seiner innerlichen Verarbeitung des Erkannten und sie lassen ihn Einsichten gewinnen, die ihn dazu bewegen, sich zu ändern. Die brüderliche Freundschaft gleich gesinnter Männer ist dabei besonders hilfreich und wertvoll. |
Arbeit am eigenen Selbst
Der Stein des Freimaurer-Lehrlings.
Der Stein des Freimaurer-Gesellen.
Das Reißbrett des Freimaurer-Meisters.
Der Meistergrad ist die letzte und höchste Stufe der Freimaurerei. Der Meister arbeitet am Reißbrett, um mit dem Maßstab der Wahrheit, dem Winkelmaß des Rechts und dem Zirkel der Pflicht seine Entwürfe zu machen.
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